Sprachkompetenztraining Plus

Foto: SKT Dornbirn

Wer?

Verein Aktion Mitarbeit
www.okay-line.at

Wo?

Färbergasse 15/304, 6850 Dornbirn

Was?

Viele Jugendliche und junge Erwachsene scheitern aufgrund mangelnder bildungssprachlicher Kompe- tenzen beim Abschluss einer Ausbildung an der Umsetzung ihrer Potentiale. In den letzten Jahren sind diese jungen Menschen vermehrt als sogenannte „RisikoschülerInnen“ in der PISA-Studie oder als „Frühe SchulabgängerInnen“ ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und sichtbar geworden. Ein wesentliches Merkmal dieser Zielgruppe ist, dass sie sich zwar im Alltag sprachlich verständigen können, nicht aber über die sprachliche Kompetenz verfügen, um Wissen in Form von Texten zu vernetzen und zu erwerben. Dies erschwert ihre Anschlussfähigkeit in Aus- und Weiterbildung.

Sprache ist der zentrale Schlüssel für den Zugang zu unserer Wissensgesellschaft. Im Zentrum des Sprachkompetenztrainings+ (SKT+) steht daher die Förderung der Bildungssprache (Literalität), das „Entschlüsseln“ von Texten, mit Bezug auf den beruflichen Alltag und die Lernanforderungen in Aus- und Weiterbildung. Denn das Verstehen von (Fach-)Texten auf Wort-, Satz- und Textebene ist die Voraussetzung für den Erwerb und die Wiedergabe von Wissen und wirkt sich damit auf alle Lernbe- reiche des lebensbegleitenden Lernens aus. Im Kontext des demografischen und wirtschaftlichen Wandels steigt dadurch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Neben der individuellen, biografi- schen Dimension betrifft diese Entwicklung also auch die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Vorarlberg und damit den volkswirtschaftlichen Wohlstand der Gesellschaft.

Die Sprachkompetenztrainings werden seit 2009 als Maßnahme am Übergang Schule/Arbeitsmarkt in Vorarlberg durchgeführt. 2012 wurde das Konzept in den Bereich der Basisbildung transferiert. Da die bildungssprachliche Kompetenz (Literalität) eine Voraussetzung für den Zugang zum lebensbeglei- tenden Lernen ist, stellt das SKT+ in diesem Bereich ein wichtiges Brückenangebot zu weiterführen- den Programmen dar. Ziel ist es, insbesondere für das Nachholen des Pflichtschulabschlusses mit InteressentInnen die notwendigen Kompetenzen im bildungssprachlichen Bereich und darauf aufbau- end im Rechnen und in der digitalen Elementarbildung zu erarbeiten. Die Sprachkompetenztrainings befähigen bildungsferne Gruppen zum Einstieg in das lebensbegleitende Lernen, tragen zur Förderung von Chancengerechtigkeit bei und bieten Jugendlichen die Möglichkeit „Lernen als Chance“ erfahren zu können.

Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund, die in den Grundkompetenzen Lesen, Rechnen, Schreiben und IKT (Informations- und Kommunikationstechno- logien) Entwicklungsbedarf haben und in weiterer Folge den Pflichtschulabschluss nachholen bzw. eine andere Ausbildung absolvieren wollen. Diese Jugendlichen verfügen im Vergleich zu sozial besser gestellten Gruppen über einen eingeschränkten Zugang zum sozialen, symbolischen, kulturellen und ökonomischen Kapital (vgl. Bourdieu, 1983). Sie sind aufgrund der fehlenden Chancengerechtigkeit für sozial schwache, bildungsferne Gruppen im österreichischen Bildungssystem benachteiligt.

Da die Zielgruppe für die Trainings breit gestreut und in ihren Bedürfnissen divers ist, werden die Trainingsmaterialien fortlaufend in Rücksprache mit TeilnehmerInnen und Akteuren im Handlungsfeld
adaptiert und weiterentwickelt. Zentral ist, dass die SKT+ dabei auf den Ressourcen und Interessen der TeilnehmerInnen aufbauen und eine zielgruppenorientierte Begleitung bzw. Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Ziele bieten. Jugendliche haben heute viele unterschiedliche Möglichkeiten in der Fort- und Weiterbildung. Damit verbunden ist die Herausforderung eine Entscheidung für den eigenen Weg zu treffen. Um diese Verantwortung wahrnehmen zu können, ist Orientierung wichtig. Die Trainings wollen durch das Aufzeigen der Möglichkeiten den TeilnehmerInnen auch einen Beitrag zu deren Entscheidungsfindung bieten. Dementsprechend werden die Inhalte der SKT+ auf die Bedar- fe und Interessen der TeilnehmerInnen abgestimmt und mit den Inhalten und Zielen der weiterfüh- renden Maßnahmen akkordiert.

2011 und 2013 wurden die Sprachkompetenztrainings als innovatives und beispielgebendes Projekt im Bereich des Lehrens und Lernens von Sprachen mit dem Europäischen Spracheninnovationssiegel ausgezeichnet, 2014 erhielt das Projekt den Bank Austria Sozialpreis – Vorarlberg.

Stimmen aus dem Projekt

" Ich hatte früher Angst, einen  Text laut zu lesen und einfach zu reden. Die Angst ist in mir verschwunden." 

"Textaufgaben kann ich jetzt besser lösen, weil ich besser lesen kann."

Projektteilnehmer*innen

Gesamtinvestition

2015-2020: 1.317.563,10 Euro, davon EU-Mittel 658.781,59 Euro

Gefördert aus

Europäischer Sozialfonds